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16.05.2018 | 23:26 Uhr

Box-Europameister Ünsal Arik kritisiert Mesut Özil und Ilkay Gündogan für Erdogan-Treffen: "Das ist für mich Heuchelei"

Köln (ots) - Mit scharfen Worten hat der deutschtürkische Boxer
Ünsal Arik die deutschen Nationalspieler Ilkay Gündogan und Mesut
Özil für ihr Treffen mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep
Tayyip Erdogan kritisiert: "Man trifft sich nicht mit einem Menschen,
der unschuldige Menschen tötet. Der klaut, der stiehlt oder auch
Menschen unschuldig ins Gefängnis steckt. Damit unterstützt man einen
Diktator, und das als deutscher Nationalspieler. Das ist falsch. Aus,
Schluss und Amen", sagte der Box-Europameister am Mittwochabend bei
stern TV.

Am Samstag hatten die beiden Fußballer den türkischen
Staatspräsidenten in London getroffen und ihm signierte Trikots
überreicht. Für besondere Aufregung hatte die Widmung Gündogans
gesorgt: "Für meinen verehrten Präsidenten - hochachtungsvoll".
Gündogan besitzt die doppelte Staatsbürgerschaft - im Gegensatz zu
Özil, der lediglich einen deutschen Pass besitzt. Gündogan
rechtfertigte seinen Auftritt mit Höflichkeit vor "dem Präsident des
Heimatlandes unserer Familien". Eine Erklärung, die Arik nicht
nachvollziehen kann: "Wenn er sein Land so respektiert, dann hätte
er auch für die türkische Nationalmannschaft spielen sollen. Er hat
sich bewusst für Deutschland entschieden, also hat er das Land auch
zu respektieren. Man spuckt nicht auf die Hand, die einen ernährt."

Für Arik war der Termin mit Erdogan eine falsche Geste: "Diese
beiden Fußballer haben sich ja bewusst für Deutschland entschieden,
weil sie gewusst haben, sie können mehr Geld verdienen und für
größere Vereine spielen. Beide machen es vor, sie spielen bei
Topvereinen Europas. Das hätten sie mit der türkischen
Nationalmannschaft vielleicht nicht geschafft. So eine Aktion zu
bringen, ist für mich Heuchelei." Für den 37-Jährigen steckt
eindeutig Kalkül hinter der Einladung des türkischen
Staatspräsidenten: "Erdogan ist ja nicht dumm. Er hat das sehr schlau
gemacht. Er kann in Deutschland keine Reden halten, also hat er sich
zwei populäre Fußballer ausgesucht, um seine türkischen Landsleute
hier in Deutschland zu erreichen. Er provoziert, und Provokation ist
die beste Werbung."

Neben den Nationalspielern kritisierte der Boxer bei stern TV auch
Joachim Löw: Der Bundestrainer hatte beide Spieler am Dienstag in den
vorläufigen Kader für die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 berufen.
Ünsal Asik hätte sich ein Zeichen Löws gewünscht: "Jogi Löw hätte -
ich sage mal - Eier bewiesen, wenn er gesagt hätte: 'Leute das war
falsch, ihr habt euch mit einem Diktator getroffen, ihr habt euch mit
einem Menschen getroffen, der nichts Gutes für die Welt tut und ihr
als Sportler solltet eigentlich ein Zeichen setzen'. Jogi Löw hätte
lieber zwei Spieler mitnehmen sollen, die zu Deutschland stehen und
das verdient hätten." Lob fand Arik dagegen für Nationalspieler Emre
Can: Der Spieler des FC Liverpool hatte ein Treffen mit Erdogan
abgelehnt. "Dass Emre Can die Einladung ausgeschlagen hat, finde ich
super. Er hat damit Charakter bewiesen. Das ist ein Spieler, der es
verdient, das deutsche Nationaltrikot zu tragen. Er ist für mich ein
Ehrenmann."

Obwohl in Bayern geboren, tritt Ünsal Arik bei seinen Box-Kämpfen
für die Türkei an. "Ich habe mich bewusst für die Türkei
entschieden", sagte der Sportler im Gespräch mit Steffen Hallaschka.
Dennoch ist Arik nicht der Meinung, dass Erdogan seine Triumphe für
sich reklamieren kann: "Meine Box-Erfolge kann Erdogan nicht feiern,
denn er ist nicht mein Präsident. Er repräsentiert nicht das Land,
das ich vertrete. Denn ich kenne die Türkei schön, habe das Land
wunderschön in Erinnerung, und er hat alles kaputt gemacht."

Die Meldung ist nur mit der Quellenangabe stern TV zur
Veröffentlichung frei.



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